My shadow’s dancing
Without you for the first time
My heart is hoping
You’ll walk right in tonight
And tell me there are things that you regret
‚Cause if I’m being honest I ain’t over you yet
That’s all I’m asking
Is it too much to ask?

Als der Refrain einsetzt, stehe ich plötzlich wieder auf dieser Straße, die ins Nichts führt und die ich so viele Male entlang gegangen bin. Rechts von mir fängt gerade die Weide an, auf der die Pferde stehen, die in ihrem dicken Winterfell dem kalten Wind trotzen. Die Straße ist mit Schnee bedeckt und es gibt ein paar durch Autos eingefahrene Spuren, die jedoch schon wieder vom Schnee zugeweht werden. In der Ferne steht der Leuchtturm, der schon so oft das Ziel meiner kleinen Ausflüge war und der die erste richtige Verbindung zum Meer ist jenseits der Farm.

Das Lied ist zu Ende und Mark Forster ist gerade dabei, die ersten Töne seiner neuen Single zu singen, als ich wieder an meinem Schreibtisch ankomme, immer noch vollkommen perplex von dem Flashback, der mich die letzten drei Minuten wieder auf die einsamen isländischen Straßen katapultiert hat, wo ich sogar die kalte Luft und den eisigen Wind im Gesicht spüren konnte. Was war das gerade?

Mir war bewusst, dass ich Lieder mit der ersten Hälfte von 2018 verbinde, dass ich dort meine isländischen Playlisten hatte, dass ich teilweise vorher ausgesuchte Songs zu den Soundtracks meines Lebens dort gemacht habe. Dass aber eins dieser Lieder mich in einen Moment zurück wirft, der doch eigentlich so unbedeutend ist und anscheinend aber trotzdem so gut abgespeichert wurde, dass ich ihn nur durch Abspielen dieses Liedes ohne Vorwarnung immer und immer wieder erleben kann, habe ich weder erwartet, noch geplant.
Ich fange an, Island wieder aktiv zu vermissen. Die letzten Monate habe ich  immer mal wieder an die Zeit zurück gedacht und mir besonders in stressigen und lauten Momenten die so gewohnte Stille und Einsamkeit der Farm wieder zurück gewünscht, aber ich habe auch mein neues Leben in Deutschland angefangen zu lieben und gerade durch alle neuen Erfahrungen nicht viel Zeit an die Vergangenheit gedacht. Jetzt, wo alles zur Gewohnheit wird, wo sich meine Social Media Kanäle wieder mit Bildern von schneebedeckten Landschaften meiner zurückgebliebenen Freunde füllen und ich gerade durch die Verlockung, im März wieder rüber fliegen zu können, viel in Gedanken an mein altes Leben bin, kommt ein gewisses Fernweh auf.

„Maybe you´re supposed to live a life like this.“, hat mir Stulli, ein Isländer, der nicht weit entfernt von meinem isländischen Zuhause wohnt, gestern geschrieben, als ich ihm erzählt habe, dass ich das Farmleben besonders jetzt in der kalten Jahreszeit vermisse, weil es damals in derselben angefangen hatte. Maybe. Vielleicht sind wir alle für mehrere Leben geeignet, doch irgendwann fällen wir Entscheidungen und schließen damit alle anderen außer das aktuelle Leben aus. Vielleicht kommt es auch nur drauf an, was man draus macht, nicht wofür man bestimmt ist.

Fernweh sollte man nachgeben oder? Denn im Gegensatz zu Heimweh lädt es zu neuen Erfahrungen ein, die bestimmt nicht unerlebt bleiben sollten.

 

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